Beiträge zu "Pfaffenhofener Kurier"

Trio an der Spitze

Pfaffenhofener Kurier 04.12.2015

Die Pfaffenhofener Tafel hat eine neue Leiterin: Petra Eidenberger. Sie ist die Nachfolgerin von Gudula Langmaier. Bei einem Treffen der ehrenamtlichen Tafelhelfer, von denen es über 100 gibt, stellte sie sich vor.

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Trio an der Spitze: Silvia Hiestand (von links) und Günther Haberer freuen sich über die neue Leiterin Petra Eidenberger. Begrüßt wurde sie auch von Pfarrerin Christiane Murner – Foto: Eibisch

Petra Eidenberger ist 58 Jahre alt, in Nordrhein-Westfalen geboren, katholisch und hat zwei erwachsene Töchter. Seit 22 Jahren lebt sie nun in Wolnzach. Sie freut sich auf ihre neue Aufgabe. Bisher hat sie in der Tafelaußenstelle in Wolnzach mitgearbeitet. Nun wechselt sie in die Zentrale nach Pfaffenhofen. „Ich freue mich besonders darüber, dass ich zusammen mit Silvia Hiestand und Günther Haberer in einer Mannschaft zusammenarbeiten kann – mir ist Teamarbeit nämlich ausgesprochen wichtig“, erklärt die neue Tafelleiterin. Die Hauptaufgabe der Tafel sieht sie sowohl in der Unterstützung sozial schwacher Mitbürger als auch bei der Hilfe für Menschen, die nicht mehr voll für sich selbst sorgen können. Die Tafel in der Kreisstadt wurde 2003 gegründet und unterstützt derzeit etwa 550 Bedürftige.

Mit Freude hat sie sich bereits im Tafelhaus im Draht 19 ihren Arbeitsplatz im ersten Stock eingerichtet. „Wenn ich da oben sitze und arbeite und aus dem Erdgeschoss höre ich herzliches Lachen beim Herrichten der Lebensmittel, merke ich, dass die vielen Helfer Freude daran haben, anderen Menschen zu helfen“, sagt sie.

Von Manfred Eibisch

„Lebensmittel sind zu schade für die Tonne“

Pfaffenhofener Kurier 01.10.2015

Georg Martin, seit 1. Oktober neuer Ilmmünsterer Pfarrer: „Erntedank ist ein wichtiges Fest – nicht nur kirchlich, sondern auch gesellschaftlich. Der Name sagt ja schon, warum: Wir sollten dankbar sein für das, was wir haben. Für viele Menschen auf der Welt sind Lebensmittel in Hülle und Fülle nämlich alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Bei uns hingegen werden Lebensmittel weggeschmissen. Das passiert nicht aus Bosheit, sondern aus Gedankenlosigkeit. Es schadet deshalb nicht, sein eigenes Verhalten immer wieder zu hinterfragen. Für mich persönlich spielt Erntedank da eine ganz besondere Rolle: Als Kind bin ich auf einem kleinen Bauernhof in Geierlambach aufgewachsen und habe schon von klein auf in der Landwirtschaft mitarbeiten dürfen – von der Aussaat bis zur Ernte. Und wenn man weiß, wie viel Arbeit es macht, bis Brot und Wurst auf dem Tisch sind, geht man viel verantwortungsvoller mit Lebensmitteln um.“

Silvia Hiestand, Leiterin der Pfaffenhofener Tafel: „Lebensmittel sind zu schade für die Tonne. Als Verbraucher sollte man sich zum Beispiel nicht stur auf das Mindesthaltbarkeitsdatum verlassen, sondern auch auf die eigenen Sinne: Oft sind die Produkte noch einwandfrei. Und auch aus Lebensmitteln, die nicht mehr schön sind, lässt sich noch viel machen. Bei welkem Salat zum Beispiel reicht es, ihn in kaltes Wasser zu legen. Viele Lebensmittel werden aber schon im Handel weggeschmissen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum etwa legen ja die Hersteller fest. Manche datieren bewusst kürzer, damit der Durchsatz im Laden schneller ist. Hinzu kommt, dass bei abgepackter Ware alles weggeschmissen wird, wenn nur ein Teil optisch nicht mehr in Ordnung ist. Wir von der Tafel sorgen dafür, dass solche Lebensmittel an Bedürftige weitergegeben werden. Wir haben rund 600 Kunden, darunter fast 240 Kinder.“

Max Weichenrieder, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands: „Auch wenn wir Landwirte es eigentlich gewohnt sind, vom Wetter abhängig zu sein, war heuer ein schweres Jahr für viele Betriebe, die weniger Ertrag bei gleichen Kosten hatten. Zumindest hatten wir bei der langen Hitzeperiode das Glück, dass es kühle Nächte mit Tau gab. Sonst wären die Ernteausfälle noch viel drastischer ausgefallen. So ein Jahr zu überstehen, kann für die Betriebe schwierig sein. An Erntedank muss man auch an so etwas denken. Vielleicht hat das Fest nicht mehr so viel Bedeutung wie früher, es kann die Menschen aber zum Nachdenken anregen. Über ihre Essgewohnheiten. Aber auch darüber, woher ihre Lebensmittel eigentlich stammen. Wir in Bayern leben in einem Land, in dem es eigentlich alles gibt. Da bräuchte es gar nicht soviel importierte Lebensmittel.“

Erich Schlotter und Heidi Lempp vom Verein zur Förderung der Pfaffenhofener Tafel: „Zu Erntedank gehört es, an die Bedürftigen zu denken. Uns von den Tafeln wäre ja schon geholfen, wenn uns alle großen Supermärkte unterstützen würden – denn bei weitem nicht alle beliefern uns. In Frankreich zum Beispiel gibt es eine gesetzliche Verpflichtung, dass überschüssige Lebensmittel an Tafeln oder Bedürftige abgeben müssen. Bei uns hingegen wird viel weggeschmissen. Auch vom Verbraucher: Wir sind verbildet, zum Beispiel durch EU-Verschriften. Die Gurke hat gerade zu sein, die Banane krumm. Und auf solche Kriterien schaut dann auch der Normalverbraucher. Was abweicht, hält er vor lauter Überfluss für minderwertig – das ist aber Blödsinn. Auch krumme Gurken kann man essen. Auch schrumpliges Gemüse kann man verwenden. Heuer werden wir Verbraucher die schlechten Ernten auch am Preis merken, zum Beispiel bei den Kartoffeln. Trotzdem muss man dankbar sein, dass es bei uns alle Grundnahrungsmittel gibt. Man gibt halt ein paar Cent mehr aus. Bei den Kunden der Tafel ist das nämlich anders: Für die ist es ein echtes Problem, wenn Lebensmittel teurer werden.“

Von Michael Kraus

Eine Reise nach Berlin

Pfaffenhofener Kurier 24.09.2015

Wolnzach (WZ) Wer sich ehrenamtlich engagiert, für den gibt es im Landkreis die Ehrenamtskarte. Und diese hat einer Wolnzacher Bürgerin jetzt eine Reise nach Berlin eingebracht: Unter allen Ehrenamtskarteninhabern im Landkreis Pfaffenhofen hat das Landratsamt jetzt eine Verlosung durchgeführt – und Edeltraud Grosam aus Larsbach als Gewinnerin gezogen.

Zum Gewinn gratulierten Edeltraud Grosam (Zweite von rechts) Landrat Martin Wolf (rechts), Ingrid Wohlsperger (Sachbereich Ehrenamtskarte, von links) und Uschi Schlosser (Leiterin des Koordinierungszentrums Bürgerschaftliches Engagement) – Foto: Schönauer

Bei der offiziellen Gewinnübergabe freute sie sich sehr über den Reisegutschein. Denn Entspannung kann sie gut gebrauchen. Seit vielen Jahren schon engagiert sich Grosam in Wolnzach bei der Tafel, die jeden Dienstag Lebensmittel im Rathauskeller ausgibt.

Bei der Preisübergabe lobte Landrat Martin Wolf den Einsatz ehrenamtlicher Helfer in so vielen Teilen der Gesellschaft. Dadurch werde der Zusammenhalt in der Gesellschaft maßgeblich gestärkt. Die Ehrenamtskarte solle diesen Einsatz honorieren und gleichzeitig auch Ansporn für andere sein, sich ehrenamtlich einzubringen. Inhaber der Ehrenamtskarte erhalten Vergünstigungen, beispielsweise beim Eintritt in verschiedene Einrichtungen des Landkreises.

„Endlich haben wir Platz“

 Pfaffenhofener Kurier 24.03.2015

Wolnzach (WZ) Einmal pro Woche gibt es im Rathauskeller Gemüse, Brot, Fleisch und Nudeln: Die Wolnzacher Ausgabestelle der Tafel ist dorthin umgezogen. Derzeit versorgt sie 25 Erwachsene und zwölf Kinder plus die Asylhäuser, aber: „Viele wissen gar nicht, dass es uns gibt“, sagt Leiterin Notburga Dierl.

Die Männer vom Bauhof schleppen Bretter und bauen gerade ein neues Regal auf. Vor der schweren Doppelflügeltüre, über die der Besucher den Rathauskeller von der Schlossstraße aus betreten kann, hält ein Transporter: Einer der Tafellieferanten bringt kistenweise duftende Schmalznudeln, Kuchen und Hefeteilchen. Die Tafelfrauen mit ihren lila Schürzen packen kräftig mit an, finden aber auch noch Zeit für ein kurzes Pläuschchen mit dem Anlieferer. Freude auf allen Seiten: Er ist froh, für seine unverkauften Backwaren dankbare Abnehmer zu haben, und die Tafelfrauen sind glücklich, ihren Kunden an diesem Dienstag auch diese Leckereien anbieten zu können.

Gut untergebracht im Rathauskeller: Die Wolnzacher Tafelfrauen freuen sich mit dem evangelischen Pfarrer Michael Baldeweg über ihr neues Quartier. Die evangelische Kirchengemeinde ist Träger der Tafel im Landkreis Pfaffenhofen – Foto: Trouboukis

Überhaupt ist die Stimmung seit über einer Woche besonders gut, denn die Wolnzacher Tafelausgabe ist umgezogen: Fast elf Jahre lang konnten die Tafelkunden ihre Lebensmittel immer dienstags im Bürgerbüro an der Klosterstraße abholen, jetzt hat sich die Tafel im Rathauskeller einquartiert. „Wir hatten vom Bürgerbüro immer großes Entgegenkommen und es ging schon irgendwie“, sagt die Wolnzacher Leiterin Notburga Dierl. „Aber es war halt sehr eng.“ Auf dem Gehsteig haben die Anlieferer nicht selten geparkt, um die schweren Lebensmittelkisten nicht immer über den ganzen Marienplatz schleppen zu müssen. „Keine gute Situation“, sagt Tafelhelferin Anja Koch. Und auch, dass die Tafelkunden zur Ausgabe regelrecht auf dem Präsentierteller waren, wenn sie an zentraler Stelle mitten im Markt auf den Beginn der Ausgabe warten mussten, war alles andere als optimal.

„Das ist für manche schon eine Hemmschwelle, die sie überwinden müssen, bevor sie überhaupt zu uns kommen“, weiß Notburga Dierl aus Erfahrung. Seit den ersten Anfängen der Pfaffenhofener Tafel ist sie schon dabei und hat dann mit Eröffnung der Ausgabestelle Wolnzach hier die Regie übernommen. Gerne, ehrenamtlich und mit großem Einsatz, wie alle Tafelfrauen, die hier mitarbeiten: „Wir sind im Moment neun und ein tolles Team, jede hat ihre Aufgabe“, sagt Dierl. Und jede hat sich sehr gefreut, dass es mit dem Umzug jetzt geklappt hat – schnell, unbürokratisch und „mit größter Unterstützung durch den Markt“, so die Leiterin. „Wir dürfen den Rathauskeller kostenlos nutzen und bekommen auch noch so viel Hilfe“, zeigt sie sich sehr dankbar dafür, dass es mit dem Umzug jetzt geklappt hat.

„Endlich haben wir Platz“, tönt es aus Reihen der Frauen, die derweil schon dabei sind, die angelieferten Lebensmittel einzuräumen. Die grünen Ausgabekisten stehen bereit, beschriftet mit Namen der Kunden: 25 Erwachsene und zwölf Kinder plus die Asylhäuser bekommen über die Wolnzacher Tafel ihre Grundnahrungsmittel. „Derzeit hätten wir also noch Kapazitäten offen und könnten noch mehr Leute bedienen“, sagt Anja Koch. „Aber manche Leute schämen sich, das ist schade“, meint sie.

Scham sei gar nicht angebracht, denn von der Tafel werden die Menschen bedient, die es nötig haben: Nach Feststellung der Bedürftigkeit über das Sozialamt können Interessierte einen Tafelausweis bekommen, mit dem sie dann einmal pro Woche – in Wolnzach dienstags von 12.30 bis 13 Uhr im Rathauskeller – zum symbolischen Preis von einem Euro ihre Lebensmittel an der jeweiligen Ausgabestelle abholen können. Die Wolnzacher Tafel ist eine von fünf Ausgabestellen im Landkreis, Träger ist die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Pfaffenhofen.

Von Karin Trouboukis

Ein weiteres Jahr ist gesichert

Pfaffenhofener Kurier 11.12.2014

Über die Kosten für Miete und Strom braucht sich die Pfaffenhofener Tafel weiterhin keine Gedanken machen: Die Bayernwerk AG hat den kostenlosen Mietvertrag mit der karitativen Initiative um ein weiteres Jahr verlängert.

Vor allem für den Erlass der Stromkosten zeigte sich Gudula Langmaier, Leiterin der Pfaffenhofener Tafel, dankbar: „Für das Licht und vor allem für die Kühlung der Lebensmittel käme das Jahr über sicherlich einiges an Stromkosten zusammen. Aber Gott sei Dank müssen wir hierfür weiter keine Unkosten bezahlen.“ Die Pfaffenhofener Tafel ist eine private Initiative, die ehrenamtlich zum Wohl sozial schwach gestellter Menschen arbeitet. Sie sammelt Lebensmittel von Supermärkten und anderen Geschäften und verteilt diese an Hilfsbedürftige. „Die weiteren Kosten, wie zum Beispiel den Betrieb unserer beiden Hilfsautos, decken wir nur mit Spenden“, erklärt Langmaier.

Weiter keine Mietkosten für die Tafel: Johann Blank (Zweiter von rechts) und Stefan Drexl von der Bayernwerk AG übergeben den neuen Mietvertrag an Silvia Hiestand, Stadtpfarrerin Christiane Murner und Gudula Langmaier. – Foto: Enzmann

Für Johann Blank, Leiter des Netzbetriebes Oberbayern Nord bei der Bayernwerk AG, war die Verlängerung des Mietvertrages eine Selbstverständlichkeit: „Wir haben eine langjährige Beziehung mit Pfaffenhofen und in unsere Firma spielt der soziale Gedanke seit Gründung vor über 100 Jahren eine zentrale Rolle.“ Noch unter Bürgermeister Hans Prechter habe die Stadt vor knapp zwölf Jahren gerade keine geeigneten Räume für die Tafel zur Verfügung gehabt, erinnert sich Blank. Das kleine Haus „Am Draht“ hält er für eine geeignete Ausgabestelle: „Es ist ein großer Hof mit dabei, das ist ideal um die Fahrzeuge zu entladen. Und auch Privatsphäre ist dort gewährleistet.“

Insgesamt engagieren sich für die Pfaffenhofener Tafel rund 60 Ehrenamtliche. Zum Preis von einem Euro pro Haushalt erhalten alle Kunden einmal pro Woche einen Warenkorb mit Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Milchprodukten und Brot.

Von Christoph Enzmann

Tafelvorsitzende dreht am Rad

Pfaffenhofener Kurier 05.10.2014

Pfaffenhofen (em) Über die Pfaffenhofener Tafel haben sich die Wochenmarktbesucher am Samstag informieren können. Gegründet worden ist sie vor elf Jahren.

Gudula Langmaier (Mitte) ließ es sich nicht nehmen, selbst das Rad an der Drehorgel zu drehen, um damit die Wochenmarkbesucher auf den Tafelstand aufmerksam zu machen. Unterstützt wurde sie dabei von Claudia Urra (rechts) – Foto: Eibisch

„Doch gebraucht wird die Tafel nach wie vor“, erklärt die Vorsitzende Gudala Langmaier, die auch selbst am Leierkasten drehte, um auf die gute Sache aufmerksam zu machen. „Der Zulauf auf die Tafelausweise ist ungebrochen.“ So werden in den Ausgabestellen in Pfaffenhofen, Hohenwart, Reichertshausen und Steinkirchen, Rohrbach sowie Wolnzach derzeit 344 Erwachsene und 233 Kinder regelmäßig mit Lebensmitteln versorgt. „Die Spendenbereitschaft der Geschäfte hat nicht nachgelassen.“

Doch auch über die Naturalienspenden hinaus ist die Tafel auf Geld angewiesen. „So müssen unsere Tafelfahrzeuge, die die Lebensmittel erst einsammeln und dann zu den Ausgabestellen bringen, ja auch tanken“, erklärt Langmaier. Und auch für die Büroarbeit zur Koordinierung der 105 Helfer brauche es Geld. Das kommt über Spenden in die Vereinskasse. Dafür haben sich ehrenamtliche Helfer auch am bundesweiten Tafeltag am vergangenen Samstag auf dem Pfaffenhofener Hauptplatz mit einem Stand beteiligt. Ein Ballonweitflugwettbewerb war organisiert, und die Marktbesucher konnten leckeren Kuchen und heißen Kaffee genießen. Dabei boten sich die Helfer der Tafel zu Informationsgesprächen an und sammelten dabei fleißig Spenden.

Mehr Kunden, weniger Waren

Pfaffenhofener Kurier 24.04.2015

Pfaffenhofen (PK) Gudula Langmaier ist seit deren Gründung bei der Pfaffenhofener Tafel aktiv, betreute Kunden und baute die Büroorganisation nebst Administration auf. Im Gespräch mit dem PK beschreibt die wiedergewählte Vorsitzende einen spürbaren Wandel.

Frau Langmaier, gerade erst haben Sie für ein weiteres Jahr der Tafel Bilanz gezogen. Gibt es besondere Probleme?

Gudula Langmaier führt die Pfaffenhofener Tafel, die mit ihren 107 ehrenamtlichen Helfern von der Größe her ein mittelständischer Betrieb ist – mit allen Aufgaben von der Buchführung über die Logistik bis zum Personalmanagement – Foto: oh

Gudula Langmaier: Auf einen Satz reduziert könnte man sagen: Wir haben immer mehr Kunden und gleichzeitig stehen uns immer weniger Waren zur Verfügung. Nach einem Rückgang der Kundenzahlen von 2006 bis 2011 haben wir jetzt wieder einen steilen Anstieg: von 2012 auf 2013 um 20 Prozent, von 2013 auf 2014 um weitere 22 Prozent. Bei diesem hohen Niveau haben sich die Abholer jetzt eingependelt. Trotz alledem wollen wir niemanden wegschicken. Jeder soll zu seinem Recht kommen, ohne Ansehen von Herkunft oder Hautfarbe. Wir teilen und bis jetzt konnten wir an alle ausgeben.

Wie erklären Sie sich die steigende Zahl der Bezugsberechtigten?

Langmaier: Bezugsberechtigt sind ausnahmslos Bedürftige, also Menschen, die Sozialhilfe empfangen und eine entsprechende Bescheinigung vorweisen können. Es kommen immer mehr Geringverdiener, vor allem Familien mit Kindern, weil das Einkommen der Erwerbstätigen trotz regelmäßiger Arbeit nicht ausreicht. Oder weil man schon lange keine Stelle mehr hat. Auch viele Personen, die wegen Scheidung oder Krankheit in eine Notlage gekommen sind. Zum anderen gehören seit geraumer Zeit auch Asylbewerber zum Kreis der Berechtigten und ihre Zahl steigt an. Auch die EU-Osterweiterung ist durchaus ein Thema. Die Zahl dieser Kunden ist aber schon wieder rückläufig.

Und warum gibt es immer weniger Waren?

Langmaier: Die Gründe sind vielschichtig. Man sortiert nicht mehr so stark aus. Was weniger frisch ist oder optisch nicht der Norm entspricht, wird im Laden zum halben Preis verkauft. Von der wirtschaftlichen Seite her der richtige Weg. Für die Tafel heißt das, es bleibt weniger für uns übrig. Einen gewissen Ausgleich können wir dadurch schaffen, dass wir über die Vernetzung des Dachverbandes Bundestafel mit den Ländervertretungen – wir gehören zur Region Bayern Mitte – größere Märkte als Spender haben gewinnen können.

Welche Art Spenden kommen von Großhändlern?

Langmaier: Ein Beispiel aus unserer Nähe sind Wurstwaren. Ein Hersteller von Leberkäse etwa beliefert uns mit den „Scherzeln“, also den nicht normgerechten Endstücken aus der Produktion. Die bekommen wir dann frisch und eingeschweißt. Bei der Firma unseres Schirmherrn dürfen wir jederzeit abholen. Auch spenden uns Firmen Gefrorenes, Pilze und Produkte aus dem Gastronomiebereich, um nur einige zu nennen.

Wie könnte aus Ihrer Sicht die Warensituation noch verbessert werden?

Langmaier: Wir freuen uns auch immer über private Spenden. Das können Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten sein oder Produkte aus der Landwirtschaft, wie etwa jetzt der Spargel. Aber auch lang haltbare Lebensmittel nehmen wir gerne. Damit kann dann ein Engpass gut überbrückt werden. Ware nehmen wir gerne dienstags von 7 bis 12 Uhr und mittwochs von 7 bis 10 Uhr entgegen, die Gaben gehen direkt an die Kunden weiter.

Und was tun Sie selber mit überschüssiger Ware?

Langmaier: Gerade bei großen Einheiten eines Produktes – etwa Joghurtpaletten – wird oft nicht alles hier vor Ort abgegeben. Da haben wir ein ganzes Netzwerk aufgebaut und führen mit den umliegenden Nachbartafeln einen regelrechten Tauschhandel durch.

Eine Menge betriebswirtschaftliche Organisation – doch wie finanziert sich das Engagement?

Langmaier: Die Tafel ist mit ihren derzeit 107 ehrenamtlichen Helfern von der Größe her tatsächlich ein mittelständischer Betrieb – mit allen Aufgaben von der Buchführung, Logistik, Personalführung und -management. Sie hat auch Arbeitgeberfunktion. Ohne die Verteilung auf viele Köpfe geht es da nicht. Wir müssen immer hoffen, dass wir genügend Geld in der Kasse haben. Wir sind auf Spenden, die über den Förderverein abgewickelt werden, angewiesen, denn nur so können die vielen laufenden Kosten gedeckt werden.

Die da wären?

Langmaier: Natürlich Kosten wie Büromaterial, Haushaltbedarf und vor allem Benzin. Heuer werden wir noch ein neues Tafelauto brauchen. Das alte ist in die Jahre gekommen und wird nicht mehr lange Dienst tun. Da muss dringend Ersatz her. Und das bedeutet für uns, Sponsoren finden zu müssen. Aber da bin ich ganz optimistisch. Wir haben einen guten Rückhalt in der Bevölkerung.

Das Interview führte Maggie Zurek.

Pfaffenhofener Kurier

Der Mangel am Überfluss

Pfaffenhofener Kurier 14.11.2013

Gudula Langmaier ist zugleich empört und verärgert. „Gestern wurden wir von einem Supermarkt angerufen, bei dem die Kühlkette für eine Stunde unterbrochen war. Wir sollten die betroffenen Lebensmittel abholen, da sie im Markt nicht mehr angeboten werden dürfen“, sagt sie. Es sei richtig viel gewesen: acht Paletten Wurst, Käse, Joghurt, Milch. „Alles was eben gekühlt werden muss“, berichtet die Vorsitzende der Pfaffenhofener Tafel.

Tafel-Leiterin Gudula Langmaier (von links), Karin Nertinger, Claudia Tafferner, Silvia Hiestand und Heidrun Schäfer sammeln bei Supermärkten Lebensmittel ein, um sie an Bedürftige zu verteilen – Foto: Diaw

So ein Anruf ist bei den Helfern der Tafel in Pfaffenhofen im Moment ein richtiger Glücksfall. Genau an diesen Waren mangelt es derzeit erheblich in den Ausgabestellen. „Doch als wir die Lebensmittel in unsere beiden Transporter einladen wollten, erklärte der Marktleiter, alles müsse da bleiben und vernichtet werden. Order aus der Zentrale“, so Langmaier.

Die Ware hatte die Sieben- Grad-Grenze überschritten und zehn Grad erreicht. Somit sind sie nicht mehr unbedenklich für den Verzehr geeignet und werden weggeschmissen. „Wir haben uns extra erkundigt, ob die Lebensmittel noch verwendet werden können und hätten auch eine Erklärung unterschrieben, die die Supermarkt-Kette von ihrer Verantwortung entbindet“, betont die Vorsitzende. Ohne Erfolg.

Solche Erlebnisse frustieren Langmaier, die seit der Gründung der Pfaffenhofener Tafel vor einem Jahrzehnt dabei ist. Die Tafeln sammeln Lebensmittel in Supermärkten, Bäckereien, Metzgereien und bei örtlichen Gemüsehändlern ein, die essbar sind, aber nicht mehr verkauft werden. Der Überschuss, der sonst vernichtet werden würde, wird von freiwilligen Helfern an Bedürftige verteilt.

Meist sind es Waren, die einen schnellen Durchlauf in den Geschäften haben: Obst, Gemüse, Brot- und Backwaren, Milchprodukte. Lebensmittel mit langer Haltbarkeit wie Nudeln, Reis, Konserven, Marmelade oder Kaffee sind selten dabei, da sie besser gelagert werden können.

Die Pfaffenhofener Tafel wurde unter Trägerschaft der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und unter Schirmherrschaft von Claus Hipp vor zehn Jahren gegründet. Inzwischen gibt es neben der Zentrale im Draht in Pfaffenhofen vier weitere Ausgabestellen in Wolnzach, Steinkirchen, Rohrbach und Hohenwart. Wöchentlich holen durchschnittlich 240 Kunden Waren für den symbolischen Beitrag von einem Euro in den Ausgabestellen ab. So viele wie nie zuvor. Insgesamt hat die Pfaffenhofener Tafel bereits 1322 Ausweise vergeben. Anspruch auf die Lebensmittel haben Menschen, die von Sozialleistungen leben – Rentner, Alleinerziehende, Arbeitslose und Menschen, deren Lohn nicht zum Leben reicht.

Die Kunden, wie sie respektvoll von den freiwilligen Helfern genannt werden, müssen einen Nachweis Ihrer Bedürftigkeit erbringen. Dieser wird regelmäßig kontrolliert. Und die Nachfrage steigt weiter. „Im September hatten wir durchschnittlich zwölf neue Anmeldungen pro Woche“, so Langmaier. Gleichzeitig nehmen die Spenden aus den Märkten immer weiter ab.

Diese reagieren auf die öffentliche Kritik über die Verschwendung von Lebensmitteln und kalkulieren besser. Oder sie verkaufen die Ware, deren Mindesthaltbarkeitsdatum fast abgelaufen ist, zu reduzierten Preisen. Diese an sich positive Entwicklung ist ein Dilemma für die Tafeln: Sie wollen den Überschuss bekämpfen, doch der ist ihre Existenzgrundlage.

Obwohl die beiden Tafelfahrzeuge jeden Tag im Einsatz sind, reicht es hinten und vorne nicht. Wöchentlich werden über vier Tonnen Lebensmittel in Pfaffenhofen und Umgebung gesammelt. Einige der 56 Lieferanten werden täglich, manche ein- bis zweimal pro Woche angefahren. Dafür ist den engagierten Freiwilligen auch kein Weg zu weit. Bis zu einer Molkerei ins schwäbische Mertingen fahren die Tafel-Helfer, um Lebensmittel für ihre Kunden abzuholen.

„Brot ist das einzige, an dem es nicht mangelt“, erzählt Silvia Hiestand, die stellvertretende Leiterin der Tafel. Alles andere werde immer knapper. Leider spendeten auch nicht alle Märkte. „Von einigen Supermärkten hier in der Gegend bekommen wir keine Waren“, bedauert Langmaier.

Aber nicht nur Geschäfte, sondern auch Privatleute können Lebensmittel spenden. „Obst und Gemüse aus dem Garten ist uns immer willkommen. Aber auch anderes. Wer zu viel eingekauft hat, kann die Lebensmittel bei uns abgeben“, sagen die beiden Leiterinnen. Wichtig sei nur, dass sie noch originalverpackt sind.

Zudem sei die Tafel auf Spendengelder angewiesen. Insbesondere der Unterhalt der beiden Tafel-Fahrzeuge verschlinge viel Geld, sagt Hiestand. Aber gerade auf deren reibungsloses Funktionieren komme es an. „Wenn nur eines der Fahrzeuge ausfällt, haben wir große Probleme und können die Abholung der Lebensmittel kaum bewältigen“, berichtet sie.

Von Simone Diaw

Tafel versorgt 500 Menschen

Pfaffenhofener Kurier 16.05.2013

Die ehrenamtlichen Helfer der Pfaffenhofener Tafel versorgen Bedürftige mit Nahrungsmitteln, die ansonsten entsorgt werden würden, obwohl sie noch genießbar sind. Wo die Zahl der Tafelkunden laut Statistik des Vereins in den Jahren vor 2011 recht konstant und kurzzeitig sogar rückläufig war, setzt sich heuer der Trend fort, der im vergangenen Jahr eingesetzt hat: Immer mehr Menschen sind auf die Lebensmittelrationen angewiesen.

Gudula Langmaier berichtet von nach wie vor steigenden Kundenzahlen bei der Pfaffenhofener Tafel – Foto: Kraus

Gudula Langmaier, die Vorsitzende der Pfaffenhofener Tafel, berichtete in der Jahreshauptversammlung über einen massiven Kundenanstieg. 123 neue Tafelausweise wurden im Jahr 2012 ausgestellt – weit mehr als in den Vorjahren – und diese Tendenz setze sich auch heuer fort. Unter den neuen Kunden seien viele Menschen aus dem Osten der EU, vor allem Rumänen und Bulgaren, aber auch einige Asylbewerber, etwa aus Syrien und Afghanistan, mit ihren Familien. Insgesamt versorge die Pfaffenhofener Tafel jede Woche über 500 bedürftige Personen, darunter etwa 200 Kinder, mit Lebensmitteln. Sehr viele Tafelkunden sind arbeitslos, einige beziehen eine kleine Rente und immer mehr Kunden sind Geringverdiener, also Menschen, die zwar arbeiten, aber so wenig verdienen, dass sie und ihre Familien davon nicht leben können.

96 ehrenamtliche Helfer sind bei der Tafel im Einsatz, davon 64 in Pfaffenhofen, zwölf in Steinkirchen, elf in Wolnzach, acht in Rohrbach und eine Person in Hohenwart. 42 Tage, an denen Lebensmittelpakete ausgegeben wurden, hatte Langmaier in ihrem Jahresbericht 2012 verzeichnet. „Viele unserer Helfer haben also 2012 an 84 Tagen für die Tafel gearbeitet“, betonte sie. Dieser Einsatz bedeute oft schwere körperliche Arbeit. Ebenso unabdingbar seien die Sponsoren mit Geld- und Sachspenden, die Evangelisch-lutherischen Gemeinde Pfaffenhofen als Träger sowie die Unterstützung von Stadt, Landkreis und mehreren Firmen: 59 Lieferanten und Hersteller – vom Bäcker bis zum großen Supermarkt – versorgen die Tafel regelmäßig mit Lebensmitteln. Und ein regelrechter Glücksfall ist das Tafelhaus am Draht, das die Firma Eon Bayern der Tafel nun schon seit zehn Jahren miet- und nebenkostenfrei zur Verfügung stellt. „Ich hoffe sehr, dass wir das Haus am Draht noch lange behalten können“, sagte Tafelchefin Langmaier.Sie berichtete in der Versammlung im evangelischen Gemeindezentrum weiter von verschiedenen Spendenaktionen 2012 zugunsten der Tafel und von besonderen Geschenken und Gutscheinen, über die sich die Tafelkinder freuen konnten. Nach dem Bericht der Kassenprüfer, die Heidi Lempp eine vorbildliche Kassenführung bescheinigte, wurde der Vorstand einstimmig entlastet. Ebenfalls einstimmig wurde die neue Satzung der Pfaffenhofener Tafel beschlossen, die an die empfohlene Mustersatzung angepasst wurde.

 

Suppe statt Geburtstagstorte

Pfaffenhofener Kurier 20.03.2013

Pfaffenhofen (PK) Zum zehnjährigen Bestehen der Pfaffenhofener Tafel haben Helfer gestern warme Gemüsesuppe und Brot an die Bedürftigen verteilt. „Die Arbeit macht Spaß, und wir machen das, was wirklich gebraucht wird“, erklärt Gudula Langmaier, Vorsitzende der Pfaffenhofener Tafel. Ehrenmitglied Sieglinde Wiegand, die die Lebensmittelausgabestelle vor zehn Jahren gegründet hat, schwelgt in Erinnerungen und freut sich über die Entwicklung. „Am ersten Tag sind 28 Leute gekommen, um sich etwas zu Essen zu holen, und heute sind es fast 200 Menschen. Da sind allerdings nur die gezählt, die das Essen bei uns abholen, das können auch welche mit einer großen Familie sein“, erzählt sie.

Pfaffenhofen: Suppe statt Geburtstagstorte

Die freiwilligen Helfer haben sich besonders gefreut, dass Sponsoren ihnen ermöglicht haben, zum Geburtstag kostenlose Mahlzeiten an die Bedürftigen zu verteilen. Es gab Wasser, Tee, Gemüsesuppe und Brot, das vom Getränkemarkt Hörl, der Firma Hipp und der Bäckerei Wiesender gesponsert wurde. Neben den Freiwilligen waren auch Johann Blank, der Leiter des Netzbetriebes Oberbayern Nord bei Eon, die evangelische Pfarrerin Christiane Murner und der katholische Kollege Frank Faulhaber dabei.

Ganz besonders wichtig sind die Sponsoren für die Tafel, so stellt Eon schon seit zehn Jahren das Pfaffenhofener Tafel-Haus kostenlos zur Verfügung. Ebenso sind die Autos zum größten Teil gesponsert, was eine große Erleichterung für die Helfer ist. „Am schönsten wäre es, wenn die Tafel-Helfer keine Arbeit mehr hätten“, sagt Gudula Langmaier. „Doch die Arbeit macht Spaß, und wir können durch Spenden immer wieder neue Aktivitäten machen.“

Eine beeindruckende Arbeit sei das, findet Johann Blank. Ohne die vielen Helfer und Spender würde die Tafel allerdings nicht funktionieren, fügt Sieglinde Wiegand an.

Die Tafel wurde am 10. März 2003 von Sieglinde Wiegand gegründet und kann nun durch die Mitarbeit von vielen freiwilligen Helfern, Sponsoren und Spendern seinen zehnten Geburtstag feiern. „Es ist schön zu sehen, dass in den Jahren immer ein Zuwachs entstanden ist“, sagt Gudula Langmaier. Über Spenden freuen sich die Tafel-Helfer immer. Wiegand: „Es gibt ein Ehepaar, das uns jedes Jahr zu Weihnachten zehn Euro spendet, und jetzt haben Sie uns zu unserem Geburtstag wieder etwas zukommen lassen. Über solchen Spenden freuen wir uns ganz besonders.“

Von Sabrina Mohr

Tafelritter feiern Geburtstag

Pfaffenhofener Kurier 10.03.2013

In Pfaffenhofen feiert die Einrichtung jetzt ihr zehnjähriges Bestehen. Dass Nahrungsmittel ihren Weg statt auf die Halde zum bedürftigen Verbraucher finden, dafür macht sich Sieglinde Wiegand im Landkreis seit Jahren stark. Im Februar 2003 fand sie eine Handvoll Mitstreiter und gründete die Pfaffenhofener Tafel, deren Trägerschaft die evangelische Kirche übernahm. Im Haus am Draht 19, das von der Firma Eon kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, richtete man die erste Ausgabestelle ein. Auch der damalige Bürgermeister Hans Prechter (CSU) gab dem neuen Verein Rückendeckung und der Unternehmer Claus Hipp erklärte sich bereit, als Schirmherr zu fungieren. Was sich im Rückblick als lockere Erfolgsgeschichte liest, war „ein tüchtiges Stück Marketing und Überzeugungsarbeit“, erklärt die aktuelle Vorsitzende Gudula Langmaier. Zu danken sei der Zuspruch ganz wesentlich der Initiatorin, die sich von Anfang an „reinhängte“.

Die „Ritter von der Tafelrunde“: Josef Eisenschenk (von links), Silvia Hiestand, Heidi Lempp und Gudula Langmaier vom Vorstand der Tafel kontrollieren am Ende eines Ausgabetages die verbleibende Ware, ehe sie wieder in die Regale sortiert wird – Foto: Zurek

Bis am 19. März 2003 erstmals Lebensmittel ausgegeben werden konnten, war es ein steiniger Weg. Freiwillige Helfer schleppten Regale, bauten Schränke auf und schlossen die gebrauchten Kühlschränke an, die man von den ersten Spenden erstanden hatte. „Da wurde eine enorme Eigenleistung erbracht“, erinnert sich die langjährige Helferin Heidi Lempp, wobei auch „Gewerbe und Banken bald mit im Boot saßen und dafür sorgten, dass uns finanziell der Sprit nicht ausging“. Was bisweilen wörtlich zu nehmen war, schließlich sammelten die Helfer Spenden anfangs noch in ihren Privatautos. Was im Sommer wegen der fehlenden Kühlung für verderbliche Lebensmittel „sehr problematisch war“. Dass man den Fuhrpark sukzessive um zwei Sprinter mit Kühleinrichtung (finanziert durch ein Förderprogramm der Daimler AG und zusätzliche Spenden respektive den Hallertauer Rotary-Club) erweitern konnte, war „ein Segen“, sagt Langmaier.

Die Zahl der Kunden wuchs. Vier zusätzliche Ausgabestellen sind mittlerweile in Wolnzach, Rohrbach, Steinkirchen und Hohenwart hinzugekommen. Fast 500 Personen versorgen sich im regionalen Netzwerk der Tafel. „Obwohl die Wirtschaft bei uns boomt, fallen tendenziell immer mehr Menschen durch das soziale Netz“, bedauert Schriftführer Josef Eisenschenk die Entwicklung. Es seien vor allem viele Ältere, in erster Linie Seniorinnen, die von Armut betroffen sind. Hinzu kommen alleinerziehende Mütter, die mehrere Kinder haben, und jene Menschen „die sich einfach nicht im Leben zurecht finden“.

Fast 100 Helfer zählt die Vereinsstatistik, 90 Prozent von ihnen sind Frauen. Ihre Arbeit ist mit der wachsenden Zahl an Kunden und Warenspendern komplizierter geworden. Schließlich muss eine Unmenge an Daten erfasst und der Warenfluss organisiert und dokumentiert werden – eine logistische Meisterleistung. Zumal gesetzliche Auflagen und Hygienebestimmungen einzuhalten sind. Zudem nimmt man bei der Tafel Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse der Kunden, müssen sie nun aus gesundheitlichen oder religiösen Gründen bestimmte Nahrungsvorschriften beachten. Jeder bekommt nach Maßgabe der vorhandenen Lebensmittel ein auf ihn passend geschnürtes Paket. Und zahlt dafür einen Euro. Zum Zeichen, dass er kein Almosenempfänger ist, sondern eben Kunde.

Zur Feier des zehnjährigen Bestehens wird es am Dienstag, 19. März, und Mittwoch, 20. März, in den jeweils geöffneten Ausgabestellen für Kunden eine warme Suppe geben. Geschenke für sich selber wollen die ehrenamtlichen Helfer nicht. Aber einen Geburtstagswunsch hätten die „Ritter von der Tafelrunde“ doch: Sie bräuchten ein paar junge Recken als Mitstreiter, die in der Lage sind kräftig mit anzupacken und auch mal was zu heben. Denn so manch derzeit Aktiver hat schon hie und da Probleme mit der Bandscheibe.

Von Maggie Zurek

Die gute Seele

Pfaffenhofener Kurier 23.03.2012

„Ihnen muss aber jetzt langweilig sein“, meinte der damalige evangelische Pfarrer Helmut Gottschling vor rund zehn Jahren im Gespräch mit Sieglinde Wiegand. Da hatte sie zwar nicht mehr als SPD-Stadträtin kandidiert, aber schon eine neue Aufgabe im Visier, die sie voll und ganz beanspruchen würde.

Auslöser für die Idee, die Pfaffenhofener Tafel ins Leben zu rufen, waren zum einen Berichte in den Medien, letztlich gab aber ein persönliches Erlebnis den entscheidenden Anstoß.

Die Versorgung der Tafelkunden mit Grundnahrungsmitteln –„Obst, Gemüse, Brot und Milch“ – ist für Sieglinde Wiegand besonders wichtig. Im Verein möchte sie künftig mehr in den Hintergrund treten, im Tafelladen aber fleißig weiterarbeiten – Foto: Bendisch

Als Sieglinde Wiegand den Ilmweg entlang radelte, sah sie, wie ein älterer Mann ein Stück Breze aus einem Abfallkorb fischte und aufaß. „Es gibt hier Menschen, die Essen brauchen – das ist mir da schlagartig bewusst geworden und hat mich sehr betroffen gemacht“, sagt sie heute im gut bestückten und organisierten Tafelladen.

Rund 180 Kunden und somit etwa 400 Personen bekommen hier wöchentlich für einen Euro eine auf die jeweilige Familiensituation zusammengestellte Lebensmittelration. Den Vorstand der Pfaffenhofener Tafel hat Sieglinde Wiegand jetzt an ihre Mitstreiterin Gudula Langmaier weitergegeben. „In der zweiten Reihe“ macht sie weiter.

Standort-, Träger- und Sponsorensuche, Vereinsgründung und das Gewinnen von vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern und ein Berg von Organisationsarbeit waren nötig, um die längst unverzichtbare Anlaufstelle für bedürftige Mitmenschen am Draht in die Tat umzusetzen. Vorher hatten sich Wiegand und ihr Team gründlich über die Arbeitsstrukturen in zahlreichen anderen Tafel-Stationen informiert und dort „sozusagen mit Augen und Ohren geklaut“. Eröffnet wurde 2003; hinzu kamen später Ausgabestellen in Hohenwart, Reichertshausen, Rohrbach und Wolnzach. Alle Supermärkte im großen Umkreis sowie Bäckereien, Metzgereien und Obst- und Gemüseläden spenden inzwischen für die Tafel Lebensmittel, die aus dem Wirtschaftskreislauf herausfallen – das heißt, sie werden nicht mehr verkauft, obwohl sie qualitativ einwandfrei sind.

Wiegand führt durch das blitzsaubere Tafelhaus und zeigt im Kühlcontainer auf dem Hof ein Beispiel: Palettenweise stapelt sich dort Vanillepudding mit Sahne, haltbar bis Mitte April. Versehentlich haben die Becher bei der Abfüllung einen Deckel bekommen, der sie als Fruchtjoghurt ausweist, und im Geschäft kann man sie deshalb nicht anbieten. Eines ist für Wiegand besonders wichtig: „Brot, Milch, Obst und Gemüse sind Grundnahrungsmittel, die in jeden Warenkorb gehören, und die möchte ich immer da haben. Wenn nicht, werden sie dazugekauft.“ Saisonprodukte wie Schokohasen oder Nikoläuse, die zwei Wochen nach den Feiertagen in die Regale kommen, sind dagegen nur „ein schöner Nebeneffekt“.

Die Hemmschwelle ist immer noch da, das weiß Wiegand genau: „Es würden sicher noch mehr Kunden kommen, aber wer gibt schon gerne zu, dass er bedürftig ist“ Arbeitslose bilden den größten Teil der Kundschaft, gefolgt von Senioren, die mit ihrer winzigen Rente nicht über die Runden kommen. „Und die Altersarmut wächst, das merkt man deutlich“, sagt Wiegand. Wenn das Familieneinkommen kaum für den Lebensunterhalt reicht, müssen auch noch so bescheidene Wünsche von Kindern ganz weit hinten zurückstehen. Ein besonderes Anliegen war für Sieglinde Wiegand daher die Einführung der mit Spenden finanzierten Geburtstagsgutscheine von 20 Euro für Kinder „von null bis 18 Jahren“.

Die Tafelarbeit ist ein Vollzeitjob, und in der knapp bemessenen Freizeit hat sich für die gelernte Zahntechnikerin schon seit vielen Jahren ein festes Schema bewährt: „Wenn ich Ruhe habe, lese ich – am liebsten gute Krimis und gute historische Romane – und wenn ich gestresst bin, stricke ich. Dabei werde ich ruhig und kann Energie ablassen; die fließt dann in die Strickarbeit.“ Ganze Berge von Wolle hat sie in ihrem Leben schon verarbeitet. Tausend Paar Socken? „Ha, das reicht längst nicht!“ Mit ihren Sockenstrickkünsten hat Sieglinde Wiegand auch andere Tafelfrauen angesteckt, und für die Sponsoren und ihre Helfer, die im Kalten arbeiten – Marktfrauen oder Personal in Kühlhäusern – gibt es zu Weihnachten ein selbst gemachtes Dankeschön: etwas Warmes für die Füße.

Von Tina Bendisch

Einweihung des Tafelhauses

Gottes Segen und ein frisches Tafelbrot zur Eröffnung (PK 18.03.03)
Pfaffenhofener Tafelhaus am Draht ökumenisch eingeweiht / Morgen werden erstmals Lebensmittel an Bedürftige ausgegeben

Tafelbrot

Initiatorin Sieglinde Wiegand (v.l.) schaute mit Regionalbischof Helmut Millauer und Landrat Rudi Engelhard zu, wie Schirmherr Dr. Claus Hipp symbolisch das Tafelbrot anschnitt. Auch Bürgermeister Hans Prechter hatte sich zu der Einweihungsfeier eingefunden.

Pfaffenhofen (ea)

Am Freitag brach Schirmherr Prof. Dr. Claus Hipp symbolisch ein Tafelbrot, morgen öffnet das Pfaffenhofener Tafelhaus am Draht dann zum ersten Mal seine Türen für seine Kunden: Von 9 bis 11 Uhr können Bedürftige aus Pfaffenhofen und Umgebung zum Preis von einem Euro gut gefüllte Lebensmittelkisten in dem Haus am Draht kaufen. Das Gebäude übergaben am Freitag im Rahmen einer ökumenischen Einweihungsfeier der evangelisch- luth. Regionalbischof Dr. Helmut Millauer, Stadtpfarrer Frank Faulhaber sowie Pastor Hannes Neubauer von der evangel- freikirchlichen Gemeinde seiner Bestimmung. „Das Haus wird ein Zeichen für Solidarität und Hilfbereitschaft“, sagte Regionalbischof Millauer, als er gemeinsam mit Stadtpfarrer Faulhaber und Pastor Neubauer um Gottes Segen für das Projekt und das Tafelhaus bat. Zu der feierlichen Einweihung hatten sich neben Bürgermeister Hans Prechter, Landrat Rudi Engelhard auch einige Stadträte, Vertreter von Banken und Sparkassen sowie Dekan Heinz Schmeckenbecher und die Vizepräsidentin der Bayrischen Landessynode Dr. Dorothea Deneke- Stoll eingefunden. Dekan Schmeckenbecher, selber Mitbegründer der Ingolstädter Tafel, hob die Bedeutung des Mottos der Pfaffenhofener Tafel „Füreinander – Miteinander“ hervor: Die Hilfe der Tafel erfolge nicht anonym oder über Spendenkonten, sonderen „direkt von Menschen“. Geschäfte, Wirtschaft, Politik und Verbände nähmen bei dem Projekt miteinander Verantwortung wahr: Die Nachfrage nach dem Tafel-Angebot in Ingolstadt nehme ständig zu. Schirmherr Dr. Claus Hipp dankte allen, die das Tafel-Projekt unterstützen.

An die freiwilligen Helfer, die mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit das Projekt ermöglichen, richtete er eine besondere Bitte: Kunden, die das Tafel-Angebot wahrnehmen, bräuchten manchmal nicht nur Lebensmittel – sondern auch Zeit und ein offenes Ohr für ihre Sorgen. Bürgermeister Hans Prechter erklärte, dass ihn vor allem drei Dinge bei der Tafel beeindrucken: Menschen würden Hilfe erfahren, gemeinsam Nächstenliebe praktizieren und gleichzeitig würden überschüssige Lebensmittel einer sinnvollen Verwertung zugeführt. Initiatorin Sieglinde Wiegand dankte allen freiwilligen Helfern sowie den Geschäften, Geldinstituten und Bürgern, die das Projekt mit Sach- und Geldspenden ermöglichen. Das Tafelhaus ist ab morgen jeden Mittwoch von 9 bis 11 Uhr geöffnet. Bezieher von Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe oder Senioren mit kleinen Renten, Alleinerziehende und Menschen, die dringend Hilfe benötigen, können dort eine Wochenration von Lebensmitteln – frisches Brot, Obst, Gemüse und Milchprodukte – zum symbolischen Preis von einem Euro kaufen. Die Kunden müssen zuvor allerdings den Nachweis der Bedürftigkeit mit einem entsprechenden Bescheid vom Sozial- oder Rentenamt oder der Caritas erbringen. Zu den Sponsoren der Pfaffenhofener Tafel zählen derzeit: E.ON Südbayern, die Raiffeisenbanken Pfaffenhofen und Scheyern, Sparkasse Pfaffenhofen, Volksbank Pfaffenhofen, Bäckerei Karl Wiesender, Maler Dirl (Wolnzach), Ehem. Bäckerei Greißl (Uttenhofen), Penny Markt, Lidl, Kaufland, Obst- und Gemüsehandel Pfab, Bauunernehmung Müller & Wolf, Sägen & Industrie Service Pfaffenhofen, e-Markt, Getränkemarkt Schindlbeck, Technisches Hilfswerk, Malteser, Heide Drexler (Reichertshausen), Christiane Caesar (Reichertshausen), Dr. Bohn (Pfaffenhofen), Max Hechinger (Pfaffenhofen), Ehepaar Hahn (Pfaffenhofen).

(Orginalartikel als pdf)